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Westdeutsche Allgemeine Zeitung/Neue Ruhr Zeitung

Philharmonie: Elfenzauber kann so schwer sein

Über mangelnde Bewunderung konnte sich Felix Mendelssohn Bartholdy schon zu Lebzeiten nicht beklagen. Und auch im Gedenkjahr zum 200. Geburtstag häufen sich die Hommage-Konzerte für den so früh verstorbenen Komponisten. „Ein Sommernachtstraum" lockte jetzt zahlreiche Besucher in die Philharmonie, nicht zuletzt wegen des prominenten TV-Stars Friedrich von Thun als Sprecher.

Zuvor freilich galt die Aufmerksamkeit dem jungen, exzellenten Klavier-Duo Mona und Rica Bard mit dem E-Dur-Konzert für zwei Klaviere, das Mendelssohn bereits mit 14 Jahren schrieb. Mozartisch floss es dem Komponisten aus der Feder, ebenso leicht und glasklar gaben die Pianistinnen dem Werk Gestalt und expressive Wärme. Hier bewahrheitete sie sich wieder einmal, die legendäre künstlerische Symbiose von Geschwistern: wie sie die Läufe kongruent übereinanderlegten, wie sie sich die Phrasenhälften nahtlos wie unter einem Bogen anreichten und den erzählerischen Duktus des Adagio im romantischen Tonfall ausspielten. Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Stefan Blunier kam mit massivem Orchestereinsatz und schwachen Holzbläsern den Schwestern Bard in ihrer luziden Interpretation leider wenig entgegen.

Und auch in der Schauspielmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum" nahm sich das Klangbild im Tutti oft grob und verknäuelt aus. Immerhin war Friedrich von Thun ein angenehmer Plauderer (wenn die Mikrofon-Aussteuerung erstmal stimmte), der die von Marianne Reißinger zusammengestellten Zwischentexte lebhaft und hintergründig zu lesen wusste. Da sich die Einsätze von Text und Musik überlappten, stellte sich auch die aparte Wirkung des Melodrams ein, die Rezitation mit Orchesterbegleitung. Und wenn die Streicher, der beste Teil der Rheinland-Pfälzischen Philharmonie, mal zum präzisen Pianissimo-Schwirren ausholten, kam sogar Mendelssohns Elfenzauber über die Rampe.

KLAUS ALBRECHT