|
Springlebendig,
originell, virtuos
Klavier und Schlagzeug
in der Musikhochschule
Wenn sich drei
Pauken, verschiedene Trommeln, Tamtam, Becken, Triangel, Gong und Xylophon
hinter zwei riesigen Konzertflügeln versammeln, ist mit einem ungewöhnlichen
Hörerlebnis zu rechnen. Genau dies ereignete sich im nur bis zur Hälfte
besetzten Konzertsaal der Saarbrücker Musikhochschule.
Selbst lang
gediente Musikfreunde können sich nicht erinnern, in den letzten Jahrzehnten
ein Konzert erlebt zu haben, das zwei Pianistinnen und zwei Schlagzeuger, ohne
die formende Hand eines Dirigenten, nur auf genauen Augenkontakt basierend,
gestaltet hätten. Und dass als Höhepunkt des Abends die 1937 entstandene dreisätzige
Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug des Ungarn Béla Bartók in einer fulminant-mitreißenden
Wiedergabe erklang, war die Fahrt nach Saarbrücken wert.
Dieser Meilenstein
der klassischen Moderne, dem man sonst nur auf wenigen Tonträger- Aufnahmen
begegnet, wird als besonders gelungenes Beispiel kammermusikalischen
Musizierens in die Annalen der Ensemblekonzerte eingehen. Michael Gärtner und
Martin Frink (Schlagzeug) und das Klavierduo Mona und Rica Bard, das ohne Noten
die Tastaturen höchst virtuos in Marsch setzt, waren ein perfekt aufeinander
abgestimmtes Quartett. Es entwickelte sich ein vor Spielwitz förmlich berstendes
Musizieren voller Schwung und springlebendiger Energie. Die Pianistinnen und
die Schlagzeuger hörten aufeinander, deckten sich nicht zu, sorgten für ein
punktgenaues Übereinstimmen und ließen den im pianissimo endenden Finalsatz mit
seinen originellen Dialogen zwischen Xylophon und Pauke zum besonderen Ereignis
werden.
Nun ist die halbstündige
Sonate nicht abendfüllend. Da es für diese aufwändige Besetzung kaum
Originalstücke gibt, hatte man zwei bekannt gewordene Bearbeitungen großer
Orchesterwerke ins Programm aufgenommen. Nun kann man streiten, ob sich die
instrumentale Besetzung ohne Weitere auf dieses ungewöhnliche Ensemble umsetzen
lässt. Aber sowohl die „Symphonischen Tänze“ aus Leonard Bernsteins „Westside
Story“ als auch die „Rhapsodie espagnole“ von Ravel erwiesen sich als
atmosphärisch dichte Preziosen. Nur Steve Reichs 1980 entstandene „Marimba
Phase“ für zwei Marimbas war gewöhnungsbedürftig und ein wenig ermüdend.
Originell waren die Schattenspiele dazu: die Spieler bewegten ihre Schlegel
hinter einer transparenten Wand und arbeiteten sich mehr als 20 Minuten lang
mit immer ähnlicher Melodik und Rhythmik durch kaum erkennbare Phasenverschiebungen.
Der riesige Beifall galt denn auch eher den Musikern als dem Stück. Am Ende des
beifallumrauschten Konzertes erhielten die etwa 100 vorwiegend jugendlichen
Besucher noch eine virtuose Marimba-Zugabe. (dwe)
|